Inklusion in Indien -Eine gelebte Überzeugung.
- Gina Penninger
- 25. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
Chancen, Herausforderungen und Perspektiven eines vielfältigen Landes – Wie Indien soziale Teilhabe neu definiert.
„Wir sind alle unterschiedlich, und gerade diese Unterschiede machen uns stark und einzigartig.“ – Mahatma Gandhi

In Indien ist Inklusion nicht nur ein politisches Ziel oder theoretisches Konzept, sie ist Ausdruck einer tief verwurzelten Haltung: der Anerkennung jedes Menschen in seiner Einzigartigkeit, unabhängig von Herkunft, Fähigkeiten oder Einschränkungen. In einer Gesellschaft mit großer kultureller, religiöser und sprachlicher Vielfalt hat sich ein Bewusstsein entwickelt, das Unterschiedlichkeit nicht als Belastung, sondern als Bereicherung versteht.
In vielen Teilen des Landes erleben Menschen mit Behinderungen eine Form der Teilhabe, die über reine Integration hinausgeht. Es geht nicht nur darum, dabei zu sein, sondern mitzugestalten. Programme wie Saksham oder das National Centre for Promotion of Employment for Disabled People (NCPEDP) setzen sich dafür ein, dass Menschen mit Beeinträchtigungen Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeitswelt erhalten – unter fairen Bedingungen und mit konkreter Unterstützung. In ländlichen Gegenden entstehen inklusive Schulen, in städtischen Zentren werden Arbeitsplätze barrierefrei gestaltet. Der Fokus liegt dabei nicht auf Defiziten, sondern auf Potenzialen. Diese Haltung spiegelt sich auch im Alltag vieler indischer Familien und Gemeinschaften wider. Es ist häufig selbstverständlich, Angehörige mit Beeinträchtigungen in alle Lebensbereiche einzubinden, sei es bei religiösen Festen, in der Nachbarschaftshilfe oder im schulischen Umfeld. Nicht Mitleid prägt dieses Miteinander, sondern ein Gefühl der Zugehörigkeit.
Auch bei unseren Schülern wird diese Haltung sichtbar. Viele engagieren sich bereits seit Jahren ehrenamtlich, etwa durch Nachhilfe, Pflegehilfen im Familienkreis oder durch ihren Einsatz in sozialen Projekten. Besonders erfreulich ist, dass immer mehr von ihnen eine Ausbildung in Deutschland im Bereich Pflege, Heilerziehung oder Sozialarbeit anstreben. Sie bringen nicht nur Fachinteresse mit, sondern auch eine soziale Haltung, die auf Respekt, Empathie und Verantwortung fußt. Ihr Beitrag zur inklusiven Gesellschaft ist konkret, reflektiert und engagiert.
Wir sprechen dieses Thema bewusst an, weil wir überzeugt sind, dass Sprache mehr ist als ein Kommunikationsmittel, sie ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe. Wer eine Sprache lernt, erschließt sich nicht nur neue Ausdrucksmöglichkeiten, sondern auch neue Sichtweisen und Haltungen. Deshalb verstehen wir Sprachunterricht nicht nur als Vermittlung von Grammatik oder Wortschatz, sondern auch als Raum für Wertebildung.
Inklusion ist für uns keine abstrakte Idee. Sie ist eine gelebte Überzeugung, die in kleinen Gesten beginnt: im Zuhören, im Ernstnehmen, im Dazugehören. Sie lebt durch Menschen, die nicht abgrenzen, sondern verbinden und damit eine Zukunft mitgestalten, in der Vielfalt nicht trennt, sondern trägt.
Unser Schüler Anandhu während seines Praktikums in Kerala, Indien:
Während Anandhus Praktikum in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Einschränkungen sammelt Anandhu wertvolle Erfahrungen. Mit Einfühlungsvermögen, Engagement und Lernbereitschaft unterstützt er das pädagogische Team bei der täglichen Betreuung, fördert die individuelle Entwicklung der jungen Menschen und gewinnt tiefgehende Einblicke in diesen wichtigen sozialen Arbeitsbereich bevor er sein FSJ in Deutschland beginnt.







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